Wachstum im Glauben

Wachstum im Glauben

Da stehen sie, alt, knittrig aber stark. Auf 3000 Meter Höhe in den kalifornischen White Mountains. Ein kalter, trockener und stürmischer Ort. Doch genau dort findet man etwas außergewöhnliches. Bäume, die gekeimt haben als die Ägypter ihre Pyramiden bauten! Es ist dieser eine Augenblick, der unumkehrbar ist. Sobald der Keimling mit Wasser in Berührung kommt beginnt ein Prozess, der bis heute bei diesen Bäuen anhält. ohne den sie nicht leben können und der nie aufhört hat – bis heute: Wachstum. Ein Baum kann nicht „Nicht-wachsen“. Einmal mit dem Wasser in Berührung gekommen, kann der Keim nicht anders als ein haardünne Wurzel nach unten zu bilden. Der Keimling weiß, dass er sich nicht aus sich selbst heraus versorgen kann. Wachsen ist für ihn Überlebenswichtig.
Wer sein Leben einmal mit Jesus Christus fest gemacht hat, ist wie diese Bäume mit „lebendigen Wasser“ in Berührung gekommen. Auch wir haben nur eine Wahl: Wachsen. Tun wir es nicht, ereilt uns das gleiche Schicksal, wie es einen Baum treffen würde, der sich weigert zu wachsen: Er verfault von innen heraus. Nun, das wollen wir nicht. Darum laufen und rennen und tun wir, machen was uns möglich ist, … Doch das Geheimnis dieser alten Bäume, die Wind und Wetter, Kriege und Krisen überdauert haben ist nicht die Hektik und der Stress. Ja, sie wachsen bis heute, ohne Unterbrechung, aber sie tun es langsam und vor allem stetig in ihrem ganz eigenen Rhythmus, der zu ihnen und ihren Lebensumständen passt. Christen hingegen suchen oft das One-Hit-Wonder, dass einen ab und zu „einmal“ richtig puscht. In der Jugendarbeit wird dieses Phänomen vor allem auf Freizeiten sichtbar. Viele Kämpfen damit einen gleichmäßigen, ruhigen und stetigen geistlichen Rhythmus zu haben. Sie hangeln sich von einer Freizeit zur anderen, von einem Event zum nächsten. Viele Leben von einzelnen Tropfen, mit denen sie über das Jahr verteilt in Kontakt kommen anstatt, wie der junge Keim am ersten Tag schon die Nähe zu dem Ort zu suchen, wo das Lebendige Wasser „wohnt“ und nicht nur ab und zu hinfällt. Wer diesen Ort gefunden hat, bei ihm bleibt und sich auf ihn ausrichtet, der wächst eigentlich von allein.
Doch wie Wachsen wir eigentlich? Was bedeutet es im Glauben größer, höher und weiter zu werden? Heißt es mehr Glaubensfragen beantworten zu können? Jesus mehr lieb zu haben? Besser im Dienst verankert zu sein? Sicher auch. Doch wachsen bedeutet nicht nur selbst größer werden. Ein Baum wächst nicht, in dem er immer dicker wird und sich selbst aufbläht. Er lässt Äste und Abzweigungen entstehen. Er verändert sich und pflanzt sich fort. Sein Geheimnis ist einfache Mathematik: Er multipliziert – nicht irgendwas, sondern sich. So hat es auch Jesus getan. Er investierte in Menschen. Lehrte sie was er wusste. Ließ sie sehen, was er sah und tun, was er tat. So wurde aus einem Stamm, zwei Äste, vier Zweige, acht Reiser, sechzehn Knospen, …. Wachsen tun wir vor allem da, wo wir in andere investieren. Es geht nicht immer nur um „mehr“, sondern um das Tiefer, Weiter, Anders, Vielfältiger. Auch Gemeinde wird irgendwann eingehen, wenn sie nicht neue Äste, Zweige und Blühten investiert, sich nicht multipliziert. Das kostet was, vor allem eins – Mut. Antreiben sollte uns das Wissen darum, dass es dabei ja nicht um ein optisches Facelifting geht, sondern um das Überleben von Gemeinde. Denn auch wir können nicht „nicht Wachsen“. Wenn wir es versuchen, ergeht es uns wie den Bäumen, die sich entschieden haben, dass es wie es jetzt ist gut ist. Darum lasst uns schnell laufen und rennen und tun, was uns möglich ist? … Oder eben gerade nicht!


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