Schneller als Salomon den Tempel gebaut

Schneller als Salomon den Tempel gebaut

Die evangelische Brückengemeinde weiht im Beisein von mehr als 800 Festgästen am 24. September 2018 das neue Gemeindezentrum ein. In zwei Jahren drei Millionen Euro verbaut und alles durch Spenden und Darlehen finanziert. Von Klaus-Dieter Kirschner

Von der Brückengemeinde kann man lernen, wie man auch Einweihung eines großen Bauwerks feiern kann. Nicht etwa mit einer Reihe vieler Grußworte sondern im lockeren Dialog mit allen, die gerne etwas gesagt hätten. Bei diesem Podium am Ende eines sehr herzlichen Gottesdienstes wurden die Ehrengäste aber dann doch die komprimierten Gedanken los, die sie vorher im Blick auf das Fest bewegt hatten. Seitens des Bauteams verwies Daniela Oelkuch auf den legendären König Salomon, der einst zu Jerusalem den Tempel baute und dafür gut sieben Jahre gebraucht hatte: „Wir waren nach zwei Jahren schon fertig“.

Nun gilt es sehr wohl als Gebetserhörung und auch als Wunder, wie die Brückengemeinde zu den Bauplänen und zu einem zerlegbaren Modell für das neue Gemeindezentrum kam: Dieser im Grunde einem Industriebau ähnlichen Gebäude verliehen vom Architekturbüro Wolf aus Schnaitheim die Planer Manfred Gaißer und Jorid Lugert ein Aussehen, das nur noch wenig an eine Fabrik von Industrie 4.0 gemein hat. Schon zur ersten Besprechung mit der Gemeindeleitung waren fertige Pläne auf den Tisch gelegt worden.

Enorme Leistungen wurden in all den zurückliegenden Jahren erbracht. Der Leitende Pastor Siemen van Freeden erwähnte, dass es schon vor 14 Jahren ein Bauteam gegeben habe und man in den Jahren viele Angebote und viele Möglichkeiten durchdacht habe. Gebetet und gefastet habe man, erwähnte Daniela Oelkuch.

Es war Siemen van Freeden, der in seiner Predigt Antwort darauf gab, was und wie Kirche sein will. Letztlich sei wie im richtigen Leben auch in einem neuen Gemeindezentrum nicht alles stimmig, aber hier könnten die Menschen „nicht nur staunen über die Größe Gottes“, sondern konkret auch Trost, Hilfe und Erbauung erfahren.

Dekan Dr. Karl-Heinz Schlaudraff bekannte, dass „Kirche heute unterschiedliche Gemeindeformen brauche“. Die Brückengemeinde erreiche zum Beispiel Menschen, die nie in normale Kirchengemeinden gehen würden. Natürlich tue es mitunter etablierten Gemeinden weh, wenn Gemeindeglieder abwandern. Schlaudraff hielt es mit dem Reformator Luther, der einmal dem Sinne nach gesagt habe: In hundert Jahren kann man nicht die Heilige Schrift in vollem Umfang erfassen.

Carmen Lindemann, die Vorstandsvorsitzende des Offenen Abends e. V., der der Träger der Brückengemeinde ist, hatte zunächst im Blick auf den Standort des Gemeindezentrums auf dem ehemaligen Areal des Sägewerks Ziegler „vom Marktplatz der Zeit“ gesprochen: „rundum Supermärkte und ein Spezialitäten-Restaurant“. Für Oberbürgermeister Bernhard Ilg war dies das Stichwort: „Ja. Hier ist Leben und ich denke, hier wäre Jesus auf jeden Falle hingegangen und die Menschen zu treffen“. Die Brückengemeinde habe auf einer Industriebrache einen Neubau mit vielen Türen hingestellt, durch die garantiert viele Menschen strömen werden: „Ich wünsche mir, dass die Attraktivität dieser Gemeinde anhält.“ Lothar Rapp, der Gemeinschaftspastor der evangelischen Chrischonagemeinde aus. Der Bau sei wirklich gelungen. Als Gastgeschenk hatte er einen großen Kompass dabei, auf dass keiner die in der Bibel nachzulesende Richtung übersehen möge.

Herzliche Begegnungen und Wiedersehen gab es beim anschließenden Gemeindefest. Die Kinder tollten an einer riesigen Traktorhüpfburg oder waren auf der Spielstraße der Aktion RedBox nicht zu bremsen. Am späteren Nachmittag störte ein aufziehender Sturm allmählich die Festfreude.